Hintergrund

Am 24. und 25. August 1937 werden jeweils hunderte von Bildern aus der Sammlung des Folkwangmuseums in Essen von den Nazis als „entartet“ klassifiziert und nach Berlin gebracht. Darunter zwei Werke mit den Titeln „Stillleben“ und „Pferdeschwemme“. Der Künstler ist Josef Urbach. Er gehört zu den Rheinischen Expressionisten und ist Professor an der Folkwangschule in Essen. 1921 hatte er eine mehrmonatige Studienreise nach Italien angetreten, die ihm von Förderern der damaligen Essener Kunstszene, den jüdischen Familien Simon, Levy, Stern und Abel ermöglicht worden war. Der Großteil der in Italien geschaffenen Arbeiten geht in die Kunst-Sammlungen der Familien über. Was ist aus den „entarteten“ Bildern geworden? Welche Spuren haben die Bilder aus den Sammlungen hinterlassen?

Achtzig Jahre später begibt sich der Filmemacher Tilman Urbach auf die Suche nach den verschwundenen Bildern seines Großonkels. Dabei wird die Problematik der „entarteten“ Kunst und der Lost Art filmisch beleuchtet, die durch den Fall Gurlitt eine besondere Aktualität bekommen hat. Aber neben allen Fakten wird hier ein persönlicher, autobiografischer Blick des Filmemachers möglich. Hinter den Bildern scheint schließlich nicht nur das Leben des Künstlers Josef Urbach auf, sondern auch das seiner jüdischen Förderer und Sammler.

Tilman Urbach reist zu Thomas Simon ins holländische Alkmaar. Er erzählt von seinem Großonkel Otto Simon, dem Direktor der international agierenden Holz- und Rahmenfabrik Döllken. Der Betrieb wurde in Essen arisiert. Otto Simon konnte sich nach Holland absetzen, wurde aber verraten und kam im KZ Bergen-Belsen um. Josef Urbach hat ihn portraitiert. Von dem Ölgemälde gibt es noch ein Foto.

Josef Urbach verkehrte freundschaftlich mit dem Rechtsanwalt Dr. Fritz Levy, der in Essen mit seiner Frau Frida ein offenes Haus für Maler, Schriftsteller und Musiker führte. Hier traf Urbach die Kollegen Schmidt-Rottluff und Wollheim. Frida Levy, die Urbach portraitiert hat, gehörte zu den ersten Frauenrechtlerinnen und Pazifistinnen. Ihr Mann war SPD Stadtrat und verteidigte Arbeiter, die nach dem Kapp-Putsch in Verruf geraten waren. Frida Levy wurde 1942 im KZ Riga umgebracht. Klaus Levy, ein Enkel der Sammler, zeigt im schwedischen Karlsham Erinnerungsspuren der Familie und der Kunstsammlung.

In Brüssel gibt Thierry Abel Auskunft über seinen Großvater Max Abel, den Rechtsanwalt in Essen, der nach seiner Verhaftung in der sogenannten „Reichskristallnacht“ nach Belgien ausreiste und sich später dort mit seiner Frau versteckt hielt. Der Name Josef Urbach ist Thierry zunächst unbekannt, aber am Ende des Gesprächs findet sich tatsächlich noch eine Originalgrafik von Josef Urbach in einer Mappe.

Schließlich besucht Tilman Urbach das Bundesarchiv in Berlin und unterhält sich vor den Originalakten des Propagandaministeriums mit Andreas Hünecke und Meike Hoffmann (zwei ausgewiesenen Fachleuten für „entartete“ Kunst) über die verschwundenen Bilder seines Großonkels und geht Spuren nach, die die Kommissionslisten der Händler Buchholz und Boehmer nahe legen.

Josef Urbach - lost art

Josef Urbach - lost art

Josef Urbach - lost art

Josef Urbach - lost art

Josef Urbach - lost art